"Es war einmal eine alte chinesische Frau. Sie lief täglich zum Brunnen, um mit zwei Tonkrügen, die sie an einer Holzlatte auf der Schulter trug, Wasser zu holen.
Nur einmal am Tag, vor Sonnenaufgang machte sie sich auf den Weg, der sie zwei Stunden Zeit kostete. Doch jedes Mal kehrte sie nur mit einer Menge von 1,5 Wasserkrügen zurück, denn in einem der Krüge befand sich ein Sprung. So lief sie viele Jahre und konnte doch nur einen Bruchteil ihrer Arbeit zu Hause abliefern.
Der beschädigte Krug sah sein Versagen, jeden Tag aufs Neue suchte er nach Worten, um seinen Makel zu entschuldigen, doch er fasste nie den Mut. Er konnte nicht ahnen, dass die alte Frau Blumensamen entlang des Weges gesät hatte, nur auf der linken Seite, denn sie trug den defekten Krug stets über der linken Schulter. Im Frühjahr säumten den Wegrand kleine Blumen, unscheinbar, aber sie zauberten ein Lächeln auf das runzelige Gesicht der Frau."
(Verfasser unbekannt)
Liebe Frauen in den Zehlendorfer Gemeinden,
liebe Gäste auf unserer Homepage!
Endlich Ferien, seit zwei Wochen gehen die Uhren anders, die Menschen ticken auch anders. Zeit haben heißt das Zauberwort. Ausschlafen, die Nacht zum Tage machen oder neudeutsch Chillen heißt es für Kinder und Jugendliche.
Und wir Erwachsene, was machen wir im Urlaub? Da hat so jeder seine Wunschliste, mal die Nacht durchlesen bis die Augen zufallen, eine bestimmte Ausstellung sich anschauen, aber auch ein gewisses, selbst verordnetes Pflichtpaket wie Eltern besuchen fahren, Steuererklärung, aufräumen…….
Wenn ich unterwegs bin und zur Ruhe komme, lasse ich vieles freiwillig und leider auch recht unfreiwillig aus der letzten Zeit an mir vorbeiziehen.
Bei bestimmten Situationen und Personen bleibe ich hängen und muss mir eingestehen, dass sie mich belasten und ich nicht recht weiß, wie ich agieren soll. Ich erinnere mich gern an Menschen, mit denen ich was Schönes, Einmaliges erlebt habe, in deren Nähe ich mich wohlfühle und angenommen bin.
Die Geschichte von der chinesischen Frau hat eine Studentin in ihrer Andacht in der Studierendengemeinde vorgelesen.
Sicherlich gibt es viele Ansätze oder Interpretationsmöglichkeiten, jede hört die Geschichte anders und springt "bei ihrem Thema" an.
Mein Thema war: so kann man / frau auch mit Defiziten in ihrem Umfeld sprich bei ihren Mitmenschen umgehen. Sie weiß um diesen Sprung im Tonkrug, vielleicht hatte sie kein Geld für einen neuen, vielleicht war ein Tonkrug mit Wasser pro Tag zu wenig, vielleicht hatte dieser Krug einen ideellen Wert für sie. Ich weiß es nicht, ist auch nicht so wichtig.
Sie geht kreativ mit dem Defizit um, steckt den Kopf nicht in den Sand und ärgert sich, sondern guckt, wofür er gut sein könnte und sät den Blumensamen. Ich beiße mich an den Defiziten der anderen fest (weil keiner so gut ist wie ich…) und steh' mir damit selber im Weg, anstatt mit den Menschen und der Situation spielerisch und locker umzugehen.
Die chinesische Frau wird wohl mit in den Urlaub fahren………
Ich wünsche uns allen eine gute Zeit mit viel Kürprogramm für jede einzelne und genügend Schwung und Herzblut für die Pflicht!
Jutta Blümel
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